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23. Mai 2012
Im Interview: Alexander Lohmann
Alexander Lohmann entdeckte seine Liebe zur Fantasy schon früh und im Mai ist sein neuer Roman "Im Mond des Styx" erschienen. Im Interview verrät der Autor unter anderem wie er seine Figuren entwickelt, woher er seine Ideen nimmt und ab wann ein Buch perfekt ist.
Im Mai ist Ihr neuer Fantasy-Roman "Im Mond des Styx" erschienen. Können Sie uns einen kurzen Einblick in die Geschichte geben?
Als Gontas, der größte Krieger der Buschläufer, ein fremdes Kind in seinem Zelt aufnimmt, ahnt er nicht, dass diese Entscheidung sein Leben verändern wird. Denn Halime verschwindet, und die Suche nach ihr führt Gontas quer über den Kontinent und in den Kampf gegen Kriegsherren, Hexenmeister und die größten Gefahren seiner Welt - und auch gegen Feinde, die nicht von dieser Welt sind. Denn wenn der Mond des Styx sich rundet, so heißt es in der Legende, werden die Dämonen, die vor langer Zeit verbannt wurden, wieder zurückkehren. Und die Diener der Dämonen halten das Mädchen Halime für den Schlüssel, der die Tore der Hölle öffnen wird.
Gontas ist womöglich der Einzige, der das noch verhindern kann. Aber ist er auch der Richtige? Denn auf der Reise zur Zitadelle der Alten Götter stellt Gontas fest, dass die Legenden seines Volkes nur die halbe Wahrheit erzählen, und er kommt Geheimnissen auf die Spur, die besser für immer verborgen geblieben wären ... Erkenntnisse über die Vergangenheit seiner Welt, und über sich selbst.
Wie kam Ihnen die Idee zu diesem Buch?
Ich bin seit langem ein Freund von Sword & Sorcery, von der Heroic Fantasy (Unterkategorien des Fantasygenres), im Stile von Conan der Barbar. Und eine Vorliebe für Horrorelemente, wie sie in diesem Roman auftauchen, hatte ich auch immer schon. So konnte sich dieser Roman im Großen und Ganzen genauso entwickeln, wie alle meine Bücher - viele kleine Ideen kommen zusammen, bis es irgendwann im Kopf einfach "Klick" macht und eine große Geschichte daraus wird.
Wie würden Sie Gontas, die Hauptperson, charakterisieren?
Gontas ist keinesfalls ein tumber Wilder und Haudrauf. Er ist im Grunde sogar ein nachdenklicher Charakter. Allerdings war er lange im Krieg, und Nervenkitzel und Gewalt sind für ihn eine Droge geworden. Ihm ist bewusst, dass er damit zuhause und in Friedenszeiten ein Problem hat, und er legt Wert darauf, "das Richtige" zu tun - was dazu führt, dass er sich seinen "Kick" nicht durch wahllose Gewalttaten holt, sondern nach Gelegenheiten sucht, die zumindest nach den Maßstäben seines Volkes als "ehrenhaft" gelten.
Gontas ist nicht gerade ein klassischer Held. Warum haben Sie sich dazu entschieden, einen blutrünstigen Barbaren als Helden zu nehmen?
Was mich bei der Darstellung von Figuren der Heroic Fantasy oft gestört hat, ist der Umstand, dass die Helden dort als Söldner leben, tagtäglich Gewalt ausüben und erfahren ... aber viele von ihnen wirken davon ganz unberührt. Sie bleiben immer die netten, einfachen Burschen vom Lande, behalten ihre klaren Moralvorstellungen, und was sie erlebt und getan haben, beeinflusst ihren Charakter kaum.
Ich wollte bei den Figuren des Buches also deutlicher herausarbeiten, dass es sich um Menschen handelt, die nüchtern betrachtet mit Mord und Totschlag ihren Lebensunterhalt verdienen. Wie müssen diese Leute sein, um so etwas zu tun? Und was macht dieses Leben aus ihnen? Diese Fragen haben mich auch bei der Gestaltung des Helden sehr beeinflusst.
Wie haben Sie die Figuren entwickelt? Wussten Sie von Anfang an, welche Eigenschaften die einzelnen Figuren haben?
In dem Augenblick, als ich die Figuren in den Roman genommen habe, wusste ich im Grunde, wie sie sind. Oft waren ihre Eigenschaften gerade der Grund, warum ich sie in dieser Geschichte haben wollte - wie beispielsweise Mart und Tori und ihre ganz spezielle Beziehung. Natürlich führt der Verlauf der Geschichte zu weiteren Entwicklungen einer Figur, oder bringt Facetten der Persönlichkeit zum Vorschein, an die ich anfangs nicht gedacht habe - aber das betrifft zumeist eher Details.
Haben Sie eine Lieblingsfigur im Roman?
Die Figuren in diesem Roman habe ich vor allem danach ausgewählt, wie interessant sie sind - nicht danach, wie sympathisch sie wirken. Gontas ist einer von diesen Typen, die zuschlagen, weil sie sich "schief angeschaut" fühlen; für Mart ist ein Mord in erster Linie ein geschäftlicher Vorgang; und Tori benutzt Gewalt als Ausbruch und Kompensation aus einer Beziehung, in der Mart sie immer kleinhalten will. Ich habe also sicher keine "Lieblingsfiguren" in dem Sinne, dass ich sie gerne mal treffen und einen Kaffee mit ihnen trinken würde.
Aber interessant werden Figuren vor allem durch ihr Zusammenspiel und durch die Möglichkeiten, die sie in der Konfrontation miteinander entfalten. Meine "Lieblinge" wären also weniger einzelne Figuren, sondern vielmehr ihr Beziehungsgeflecht - oder einzelne, spezielle Konstellationen daraus, die viel Potenzial bergen.
In "Im Mond des Styx" kommt es immer wieder zu blutigen Schlachten und gewaltvollen Szenen. Hatten Sie beim Schreiben Schwierigkeiten damit?
Sicher keine Schwierigkeiten in einem grundsätzlichen Sinne. Aber schreiberisch schwierig sind solche Szenen auf jeden Fall.
Gerade anschauliche und actionreiche Szenen habe ich als Bilder im Kopf, aber übermitteln muss ich sie in Worten. Diese "Gemälde" und bewegte Bilder in Worte zu übersetzen, finde ich immer wieder anspruchsvoll. In einem Schlachtengetümmel passiert zudem vieles gleichzeitig, und auch diese Dynamik muss Wort für Wort aufgelöst werden. Denn das großartigste Bild nutzt nichts, wenn man es nicht über die Sprache beim Leser wieder erwecken kann.
Und natürlich steht bei Gewalt auch immer die Frage im Raum, wie weit man bei der Beschreibung gehen darf. Es soll realistisch sein, es soll wirken - aber es soll auch die Geschichte stützen und kein Selbstzweck sein. Es muss den Leser erreichen und ihn nicht verschrecken. Da muss man durchaus abwägen, aber auch das empfinde ich eher als eine handwerkliche Schwierigkeit, bei der es darum geht, wie ein Text wirken soll - und was ich rüberbringen kann.
In Ihren Büchern erschaffen Sie komplett neue, detailreiche Fantasywelten, mit fabelhaften Kreaturen, wie z.B. riesige Spinnen, Ameisen als Soldaten... etc. Woher nehmen Sie die Ideen?
Wie vermutlich jeder Autor führe ich "Ideenbücher" - Notizbücher, in denen ich alles festhalte, was mir irgendwann einfällt. Das können einzelne Szenen sein, oder Figuren, oder Beschreibungen oder auch nur Figurenkonstellationen oder dramaturgisch interessante Konflikte. Meine "Ideenbücher" speisen sich aus den unterschiedlichsten Quellen - zufällige Beobachtungen, spontane Einfälle, Träume, Assoziationen. Da ich nun seit über zwanzig Jahren Ideen sammle und auch Fantasywelten mit Kreaturen entwerfe, ist eine Menge zusammengekommen. Wenn ich eine Idee brauche, kann ich sie heute oft einfach in meinen "Ideenbüchern" nachschlagen.
Wie lange haben Sie an dem Buch gearbeitet?
Insgesamt 15 Monate - allerdings nicht an einem Stück, sondern es gab in dieser Zeit auch andere Projekte, die ich eingeschoben habe, wenn es zeitlich gerade passte.
Wer bekam Ihren Roman als Erstes zu lesen?
Meine Lebensgefährtin Linda Budinger - wir lesen unsere Texte gegenseitig immer als erste und arbeiten da eng zusammen.
An welchem Punkt wissen Sie, dass Ihr Buch perfekt ist?
Ein Text ist niemals perfekt. Spätestens, wenn man ihn eine Weile liegen lässt, findet man immer noch etwas, was man ändern will. Wenn man als Autor nicht irgendwann die Kraft findet, sein Manuskript loszulassen, dann kann man es immer weiter bearbeiten und nie etwas fertig bekommen.
Aber ich glaube ohnehin nicht, dass Perfektion wirklich im Buch liegt. Sie liegt im Auge des Betrachters. Und so bin ganz froh, dass ich ein Manuskript ab einem gewissen Punkt aus der Hand geben und es dem unverstellten Blick eines Außenstehenden überlassen kann - erst dem der Testleser, dann dem Lektor. Dieser Blick von Außen hilft dabei, das Buch besser zu machen, als man es allein je hinbekäme.
Was können wir als Nächstes von Ihnen erwarten?
Nach der Sword & Sorcery möchte ich als Nächstes gerne wieder zur epischen Fantasy. Aber wer weiß - "Im Mond des Styx" war ein Einzelroman, doch inzwischen habe ich auch da eine gute Idee für eine Fortsetzung. Ich könnte mir also durchaus vorstellen, dass irgendwann auch Gontas und seine Gefährten ein neues Abenteuer erleben.

